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Eine großartige Geschichte

Berlin und der BVV

Berlin ist seit über 100 Jahren Standort und Heimat des BVV.

Beide haben sich prächtig gehalten. Unübertroffen in ihrer Lebendigkeit entwickelt sich die deutsche Hauptstadt ganz unspektakulär zu einer weltoffenen, europäischen Metropole.

Juni 1909

Im Juni 1909, als die Herren im Hotel de Rome den BVV ins Leben rufen, zählt die Stadt mehr als zwei Millionen Einwohner und lässt sich im Tempo seiner Entwicklung nicht überbieten. Berlin gilt als europäisches Experimentierfeld schlechthin, als „Projekt der Moderne“.

Die Stadt setzt Maßstäbe für politische und kulturelle Veränderungen, sie ist Sammelpunkt für die künstlerische Avantgarde jener Zeit, für Wissenschaftler, die in neue Sphären vorstoßen sollten. Berlin steht für prosperierende Urbanität, rund um die Gedächtniskirche, den Potsdamer Platz, die Leipziger Straße, den Pariser- und den Alexanderplatz wächst eine pulsierende City heran.

Der Kurfürstendamm führt in den glänzenden Westen, in die Gegend, in der die Herrschaften und wohlhabende Aufsteiger Quartier nehmen. Heinrich Zilles „Milljöh“ und auch das „dunkle Berlin“ befinden sich im Norden und Osten der Stadt. Dort sind auch die Arbeiter zuhause, die in den Fabriken der Stadt ihr Brot verdienen. Denn Berlin ist zu der Zeit auch das Industriezentrum Deutschlands, mit Unternehmen wie Borsig, Agfa sowie den beiden Elektroriesen Siemens & Halske und AEG das High-Tech-Zentrum Europas.

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Berlin - Sitz der Großbanken und des BVV

Großansicht Sitz des BVV in der Französischen Straße

Kaum überraschend, dass auch die aufstrebenden deutschen Großbanken ihren Sitz in der deutschen Hauptstadt und Wirtschaftsmetropole nehmen. Im Bankenviertel an der Französischen Straße, der Behrenstraße und der Mauerstraße ziehen sie ihre „Zwingburgen des Kapitalismus“ hoch, wie der zeitgenössische Soziologe und Ökonom Werner Sombart die imposanten Präsentations- und Verwaltungsgebäude der Geldhäuser nannte.

Berlin ist das unumstrittene Zentrum der deutschen Finanzwirtschaft. Da nimmt es kaum Wunder, dass der BVV in diese Bankenwelt hinein geboren und ein Berliner Kind wird, zumal die Protagonisten des Vereins, voran Jacob Riesser, Max Wittner und Max Fürstenberg, eng mit den Berliner Banken, deren Verbänden und Interessenvertretungen verbunden sind.

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Geschichte des BVV - ein Stück der Geschichte Berlins

So ist die Geschichte des BVV seit Kaisers Zeiten auch immer ein Stück der Geschichte Berlins. Die Mitarbeiter des Vereins können aus nächster Nähe erleben, wie im August 1914 Hunderttausende zwischen Brandenburger Tor und dem kaiserlichen Schloss Wilhelm II. bejubeln, als der verkündet, keine Parteien mehr zu kennen, sondern nur noch Deutsche und seine Soldaten mit patriotischem Hurra in den Ersten Weltkrieg schickt.

Und sie sind unmittelbare Zeitzeugen, als nach Ende des verheerenden Kriegs die Novemberrevolution Berlin erreicht. „Alle Macht den Räten“ fordern die Aufständischen. Soldaten gehen in Stellung und nehmen sie unter Feuer, die Stadt taumelt Tage und Wochen am Rande eines Bürgerkriegs entlang. Doch überraschend schnell kehrt das Leben in Berlin zur Normalität zurück. „Die ungeheure, welterschütternde Umwälzung ist durch das Alltagsleben Berlins kaum anders als im Detektivfilm hindurchgeflitzt“, notierte der Diplomat und Pazifist Harry Graf Kessler im November 1918.

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Die Wirren der Nachkriegsjahre

Die Wirren der Nachkriegsjahre und die große Inflation treffen Berlin dann härter als die übrigen deutschen Großstädte. Die Not treibt viele Berliner aufs Land, wo sie in abgeernteten Feldern nach Essbarem stochern; die Polizei registriert einen deutlichen Rückgang von Überfällen auf Geldtransporte – weil sich die kaum noch lohnten –, dafür verschwinden Bronze-Denkmäler von ihren Sockeln und Metallurnen von den Friedhöfen.

Und dennoch werden die Zwanziger Jahre das Berliner Jahrzehnt, die „Goldenen Zwanziger“, wie sie später leicht verklärt bezeichnet werden sollten. Denn mit der leichten wirtschaftlichen Gesundung nach Ende der Inflation wächst bei den Menschen der Wunsch nach einem unbeschwerteren Leben, nach Zerstreuung und Amüsement. In der Spreemetropole bricht die Zeit der Bohème an, der Kunst- und Kulturschaffenden und solcher, die sich dafür hielten. Sie amüsieren sich in den Caféhäusern, den Bars und Varietés der Stadt. Die Röcke werden kürzer, die Nächte länger.

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Das Ende der Zwanziger

Doch das Experiment der Zwanziger geht schief, die Weltwirtschaftskrise trifft Berlin mit voller Wucht. Und wieder ist die Hauptstadt das Zentrum einer eskalierenden Entwicklung. Es wird wieder viel marschiert in Berlin, mal links, mal rechts, oft auch gegeneinander.

Am Abend des 30. Januar 1933 tritt ein Mann im Schein seiner Anhänger an das Fenster der Reichskanzlei, den ein greiser Feldmarschall ins Amt berufen hat, der das Land ins Verderben stürzen wird. Bald brennt der Reichstag und Berlin wird zur Bühne des nationalsozialistischen Regimes, seiner antisemitischen Hetze, seines martialischen Pomps, der Bücherverbrennung auf dem Opernplatz, der Olympischen Spiele, der Schauprozesse und der Sportpalastreden.

Doch Berlin ist nicht nur Schauplatz des NS-Terrors, sondern auch ein Zentrum des Widerstands gegen die Nationalsozialisten – der Bendlerblock im Tiergarten und die Gedenkstätte Plötzensee erinnern als Symbol all derer, die dabei ihr Leben ließen.

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Berlin 1945

Die Bomben auf Berlin, die Rote Fahne auf dem Brandenburger Tor – Berlin liegt 1945 in Trümmern, die Frauen, die sie beseitigten, werden legendär. Doch der Ausnahmezustand bleibt. Die Sieger errichteten ein Besatzungsregime, doch schon bald haben sich Sowjets und westliche Alliierte heftig zerstritten. Die Leidtragenden des heraufziehenden kalten Krieges sind die Bewohner der Frontstadt, die bald über die Luftbrücke versorgt werden müssen.

„Schaut auf diese Stadt, die ihr nicht preisgeben dürft“, ruft Bürgermeister Ernst Reuter während der Blockade in seinem dramatischen Appell den Völkern der Welt zu. Doch Berlin wird geteilt, im Osten etabliert sich die Deutsche Demokratische Republik. Was an Industrie und Wirtschaft nach dem Krieg in Berlin noch übrig geblieben ist, verlässt größtenteils die umzingelte Enklave. Das gilt insbesondere für die Finanz- und Versicherungswirtschaft.

Der BVV jedoch, der in diesen Jahren um seine Existenz kämpfen muss, bleibt seinem Gründungsort treu.

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Berlin - geteilte Stadt

Die Berliner richten sich mit der ihnen nachgesagten Robustheit und einem guten Schuss Optimismus in ihrer geteilten Stadt ein. „Mal sehen, was uns blüht“, nennt das Berliner Kabarett „Die Stachelschweine“ 1953 vielsagend sein Programm. In dem Jahr, in dem im Osten zehntausende Arbeiter gegen die Erhöhung der Arbeitsnormen protestieren und von sowjetischen Panzern blutig gestoppt werden.

Im West-Teil der Stadt macht man sich in jenen Jahren daran, „Fenster zum Westen“ zu öffnen und die Menschen am Leben da draußen teilhaben zu lassen.

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August 1961 - Errichtung der Mauer

Alle politischen Spannungen in der Bundesrepublik werden in Berlin in jenen Jahren von dem allseits präsenten Gegensatz zwischen Ost und West überlagert. Berlin wird als „Bollwerk gegen den Kommunismus“ von der Bundesrepublik subventioniert und am Leben erhalten.

An die Propaganda der SED hat man sich in West-Berlin derweil gewöhnt. Um so größer der Schock, als die Machthaber im Osten im August 1961 ihren knapp 168 Kilometer langen „antifaschistischen Schutzwall“ durch die Stadt ziehen. Mauer und Stacheldraht werden zum Wahrzeichen der Stadt. Der Westen steht dem offenbar ohnmächtig gegenüber.

John F. Kennedy besucht demonstrativ Berlin. Hunderttausende umjubeln den US-Präsidenten, als der gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister Willy Brandt im offenen Wagen zum Schöneberger Rathaus fährt und dort mit seiner berühmten Rede den Menschen Mut macht.

Später gibt der US-Präsident zu bedenken, die Mauer sei zwar keine schöne Lösung, aber immer noch besser als Krieg – es scheint ganz so, als habe man sich mit dem Status quo der geteilten Stadt abgefunden.

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Berlin setzt Zeichen

Doch um so erstaunlicher – Berlin setzt immer wieder bemerkenswerte Zeichen.

Also baut Berlin zunächst die Oper, dann die Philharmonie und die Neue Nationalgalerie. Man holt sich Herbert von Karajan, der mit den Berliner Philharmonikern weltweit glänzen darf.

Und wo anders als in Berlin hätten sich die Außerparlamentarische Opposition und die Bewegung der 1968-er formieren können? Die Stadt wird zum Brennpunkt, Namen wie Benno Ohnesorg und Rudi Dutschke sind mit dem Berlin jener Zeit eng verbunden.

Im Osten der Stadt scheint es ganz so als habe der Mauerbau das Regime stabilisiert. Am Alexanderplatz wächst als weithin sichtbare Landmarke der Fernsehturm und nicht weit davon entfernt entsteht der Palast der Republik, Erichs Lampenladen, wie die Ost-Berliner bald lästern.

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Oktober 1979

Im Oktober 1979 dann wieder ein Aufmarsch in Ost-Berlin, diesmal zum 30. Jahrestag der DDR-Gründung. Mit einer pompösen Militärparade, der ersten in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg, beteuern die Einheitssozialisten ihre Friedfertigkeit und feiern die vermeintlichen Errungenschaften ihres real existierenden Sozialismus.

Was Erich Honecker und seine Genossen nicht ahnen – es sollte das letzte Mal sein, dass es in der DDR etwas zu feiern gab.

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Ronald Reagan in Berlin und die Wiedervereinigung

Im Juni 1987 liefert US-Präsident Ronald Reagan in Berlin seinen Satz für die Geschichtsbücher ab. „Herr Gorbatschow, reißen sie diese Mauer nieder“, ruft er in Sichtweite des Brandenburger Tors den Berlinern zu. Und tatsächlich, etwas mehr als zwei Jahre später ist es soweit. Michail Gorbatschow reist nach Berlin, um der DDR zum 40. Geburtstag zu gratulieren, aber auch, um seinen Genossen die Leviten zu lesen. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ – zu spät für die Einheitssozialisten um Erich Honecker.

Die DDR hatte abgewirtschaftet, in einer friedlichen Revolution jagt das Volk die Elite von Staat und Partei davon. 45 Jahre nach Kriegsende und 28 Jahre nach dem Mauerbau fällt endlich die unmenschliche Grenze.

Silvester 1989 feiert Berlin mit einem Riesenfeuerwerk über dem Brandenburger Tor seine Wiedervereinigung. Die Bilder von den Mauerspechten, von tränenreicher Freude gehen um die Welt – in Berlin ist soeben eine Epoche zu Ende gegangen.

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Berlin wieder Hauptstadt

Aber war Berlin wirklich schon wieder die deutsche Hauptstadt? Die Entscheidung darüber fällt 1991 im Deutschen Bundestag in Bonn mit einer Mehrheit von 18 Stimmen nur denkbar knapp aus. Skeptiker argwöhnten, Berlin und eine „Berliner Republik“ würden möglicherweise wieder zu sehr zu Preußens Gloria und einstiger Großmannssucht zurückkehren. Doch weit gefehlt. Befreit von der brutalen Teilung findet die Stadt zu neuer Lebendigkeit zurück.

Berlin erfindet sich – wie schon oft in seiner Geschichte – wieder einmal neu. Rund um den Potsdamer Platz entsteht im Rekordtempo die neue Mitte, der Reichstag bekommt seine Glaskuppel, als Ausdruck – wie es der Londoner Stararchitekt Sir Norman Foster ausdrückte – „der neuen Transparenz und als architektonisches Symbol der Demokratie des wiedervereinigten Deutschlands“.

Mit großem Ehrgeiz macht man sich daran, historische Kulturdenkmäler, Theater und Museen mit neuer Würde und neuem Glanz auszustatten. Aber auch daran, Mahnmale zu schaffen, die die Erinnerung an die dunklen Momente und Wunden der Geschichte Berlins und Deutschlands wach halten.

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Neue Zeiten in Berlin

Längst spricht man in Berlin nicht mehr von den alten, sondern von den neuen Zeiten. Die Hauptstadt der Deutschen ist immer noch dabei, sich ganz unspektakulär zu einer weltoffenen, europäischen Metropole zu entwickeln. Und spannend bleibt es in Berlin allemal.

„Zu Deutschlands Zierde gehören seine Städte. Unter ihnen ist Berlin weder die älteste noch die schönste. Unübertroffen aber ist seine Lebendigkeit“, beschrieb der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker die ungebrochene Urbanität der Stadt.

Der BVV ist seit nunmehr 100 Jahren mittendrin – Berlin und der BVV, eine großartige Geschichte.

Kontakt

Kommunikation

Nina Gleitsmann
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